Zum Cape Reinga und zum „Ninety Mile Beach“, außerdem Gumdigger und schneeweiße Dünen

Wunderschöne, scheinbar unendliche Strände? Keine Frage, die hat Neuseeland zu bieten.

Vor allem hoch im Norden der Nordinsel mit dem legendären „Ninety Mile Beach“.

Aber um da hin zu kommen, braucht es etwas Geduld. Etwa vier Stunden würde die rund 280 Kilometer lange Fahrt von Whangārei bis zum Cape Reinga an der Nordwestspitze Neuseelands mindestens dauern. Etwas mehr, wenn man wie wir statt der recht gut ausgebauten Landstraße „Highway #1“ zunächst den kleineren „Highway #15“ nimmt. Letzterer führt – typisch für die kleineren Straßen in Neuseeland – mit zumeist nur einspurigen Brücken über die Flußläufe und ist eher landschaftsangepasst angelegt, dadurch äußerst kurvenreich.

Da wir am Freitagnachmittag erst nach der Bootsarbeit losfahren, haben wir uns als Unterkunft für das Wochenende ein AirBnB auf einer Farm bei Ngataki an der Henderson Bay gewählt.

Kurz bevor wir dort ankommen, lockt uns ein Schild am Straßenrand noch auf einen weiteren kleinen Umweg.

„Gumdiggers Park“ ist ein kleines Museum, welches das Leben und Arbeit der „Gumdigger“ zeigt, im wesentlichen im Freiluftbereich auf einem authentischen, im ursprünglichen Zustand belassenen „Gumfield“. Hinter dieser ominösen Bezeichnung verbirgt sich einer der zwischen 1850 und 1950 wesentlichsten Wirtschaftszweige Neuseelands. Heute fast vollständig vergessen, wurden in dieser Zeit etwa 450.000 Tonnen (sic!) „Kauri-Gum“ exportiert. Der Exportwert betrug insgesamt rund 25 Millionen Britische Pfund, in der Spitzenzeit um 1900 herum überstieg er den der landwirtschaftlichen Produkte.

Und was ist Kauri-Gum? Bernstein aus dem Harz fossiler Kauri-Bäume. Kauri, die größte neuseeländische Baumart, sind immergrüne Laubbäume aus der Familie der Koniferen. Sie können über 50 m hoch werden und überragen regelmäßig das Kronendach des Waldes. Wegen des hochwertigen Holzes wurden sie von der holzverarbeitenden Industrie früher intensiv gefällt, heute stehen sie unter Naturschutz. Bei Verletzungen bilden Kauri ein besonderes Harz aus. Schon vor der Ankunft der Europäer nutzten die Maorí den Bernstein aus diesem Harz als Schmuck und zum Feuermachen. Zum Teil konnte er oberflächlich gefunden werden. Die größeren Reservoire aber fanden sich dort, wo komplette Kauri-Wälder durch Naturkatastrophen wie etwa Tsunamis oder Vulkanausbrüche vernichtet und in sumpfige Flächen gestürzt waren. Das Holz wurde dabei in Teilen konserviert, das Harz aber versteinerte im Laufe der Jahrtausende zu Berstein. Die Gumdigger suchten in mühsamer Handarbeit mit speziellen eisernen Suchstangen nach dem Kauri-Gum und gruben dann mit Spaten Löcher in den sumpfigen Grund, um es zu bergen. Besonders schöne Stücke wurden für Schmuck verkauft, der weitaus größte Teil aber wurde nach dem Export in Englnd und den USA kleingemahlen und für die Produktion von Lack und Firnis verwendet.

Radiokarbon-Analysen haben ergeben, dass die Kauri-Bäume im Gumfield des Museumsgeländes etwa 45.000 bis 150.000 Jahre alt sind, der Ort wurde offenbar von mehreren katastrophalen Ereignissen getroffen.

Der Wanderweg über das Gelände ist auch mit vielen Hinweisen zur Tier- und Pflanzenwelt versehen. So erfahren wir zum Beispiel, dass diese gewundenen schmalen Stämme zu Hanuka-Pflanzen gehören, aus deren Blüten die Bienen den Nektar für den berühmten Hanuka-Honig sammeln.

Und natürlich hören wir beim Spaziergang die allgegenwärtigen Chor-Zikaden. Diese typisch neuseeländische Zikadenart bekomme ich dann tatsächlich auch vor die Kamera-Linse:

Nach dieser unerwarteten Geschichts- und Naturkundestunde geht’s dann aber tatsächlich zu unserem AirBnB.

Die ehemalige Scheune der Farm ist zu einem großen Einraum-AirBnB umgestaltet worden. Gut ausgestattet, vor allem aber gefällt uns das Drumherum. Im Kühlschrank findet sich ein Liter Milch, im Eisfach Toastbrot. Auf der Arbeitsfläche:

Der Hausherr ist bei unserer Ankunft zu einem Angelwettbewerb unterwegs, bei seiner Rückkehr schenkt er uns ein vier Finger dickes Stück Gelbflossen-Thunfisch. Wird natürlich gleich verarbeitet:

Außerdem besonders an dieser Unterkunft: morgens weiden Pferde auf der Wiese vor unserem Fenster und wilde Truthähne (bzw. Truthühner) laufen auch vorbei.

Oh, und ein etwa 40 cm großer Flötenvogel unterhält uns musikalisch und lässt sich dabei auch noch ablichten.

Die Henderson Bay schauen wir uns natürlich auch an:

Am Samstag fahren wir dann hoch zum Cape Reinga. Anfangs passieren wir noch häufig Avocado-Plantagen, die sich zum Schutz hinter dicht gepflanzten hohen Koniferenhecken verstecken.

Die weitere Fahrt führt dann aber durch eine fast menschenleere Gegend mit vielen Weideflächen, jetzt auch mit mehr Schafen, zumeist aber doch Kühen. Nach Westen hin blitzen vereinzelt Sandünen durch, die schon am Rande des Ninety Mile Beaches stehen.

Erst einmal aber fahren wir ganz hinauf zum Cape Reinga mit seinem markanten kleinen Leuchtturm.

Hier an der Nordwestspitze Neuseelands treffen die unterschiedlichen Strömungen der Tasmansee und des Pazifiks aufeinander und sorgen selbst bei ruhigem Wetter für eine aufgewühlte See.

Wunderschön ist der Hike oben am Rande des Cliffs entlang. Wir kehren irgendwann trotzdem um Richtung Parkplatz, aber tief unter uns können wir am Strand Wanderer beobachten, die sich schwer bepackt mit ihren Rücksäcken zur tage-, wochen- oder monatelangen Wanderung auf dem Te Araroa Trail aufmachen, dem längsten Fernwanderweg Neuseelands (insgesamt 3.030 km in etwa 300 Sektionen).

Unsere nächste Station führt uns an die Ostküste der Halbinsel, der Kokota Sandspit hat unser Interesse geweckt. Auf der Fahrt hoch zum Cape Reinga blitzte es auf der Ostseite an der Küste manchmal weiß auf. Brandung? Nein, zu regelmäßig. Es sieht eher wie Dünen aus. Aber so blendend weiß?

Google Earth hilft uns weiter. Es ist der Kokota Sandspit. Selbst auf den Satellitenbildern sieht er viel heller aus, als die bekannten riesigen Sanddünen an der Westküste südlich von Cape Reinga.

Das müssen wir uns doch mal näher ansehen. Direkt auf den Kokoa kommt (und darf) man zwar nicht, aber einer der für Nebenstraßen hier typischen Schotterwege führt über 6 km staubige Waschbrettpiste zu einem in der Bucht genau gegenüber liegenden Campingplatz. Ein Katamaran hat sich in die Bucht hineingewagt und scheint dort zu ankern.

Die Szenerie mutet ein wenig unwirklich an, aber die Farbe des Kokota Sandspit ist aus der Nähe eher noch beeindruckender. So, als wäre die gesamte Düne mit Meersalz überzogen. Aber das ist nicht der wahre Grund. Des Rätsels Lösung nach Internet-Recherche: der Kokota Sandspit besteht aus ungewöhnlich reinem Siliziumquarzsand mit einem Reinheitsgrad von bis zu 97,7 % SiO₂. Früher wurde der Siliziumsand hier auch abgebaut, insbesondere zur Glasproduktion. Zum Beispiel für die Glasfassade des Skytowers in Auckland. Inzwischen aber ist der Sandspit Teil des weit größeren und ökologisch vielfältigen Naturschutzgebietes „Te Paki Reserve“.

Ganz andere Dünen in diesem Schutzgebiet besuchen wir danach. Die „Te Paki Giant Sand Dunes“ bestehen ebenfalls aus feinem Sand, nur eben aus goldbraunem (mit deutlich weniger Siliziumanteil). Sie sind eine ziemlich bekannte Touristenattraktion, denn auf ihnen kann gesurft werden. Sand-Boarding! Bretter dafür werden direkt vor Ort vermietet. Vorwiegend wird das Angebot von jungen Leuten angenommen. Mit dem gemieteten Brett stapfen sie die Dünen hinauf, um sie dann bäuchlings auf dem Brett liegend wieder herunter zu sausen.

Und auch die nächste Attraktion hat mit Sand zu tun, denn eben südlich beginnt der berühmte „Ninety Mile Beach“. Der Name ist zwar irreführend, denn der ununterbrochene Strand ist tatsächlich „nur“ knapp 90 Kilometer (und damit etwa 55 Meilen) lang. Dafür weist er aber neben seiner wirklich imposanten Länge eine weitere Besonderheit auf. Er ist nicht nur Teil des Te Araroa Trails, sondern darf auch mit Autos befahren werden. Er ist sogar offiziell als Highway anerkannt. Hauptsächlich wird der Strand zwar von Touristen und Anglern befahren, er dient aber auch als Alternative zum nördlichen Teil des State Highway #1, wenn dieser wegen Erdrutschen oder Überflutungen gesperrt werden muss. Der superbreite Strand ist zumeist fest und wirklich gut befahrbar, allerdings ist es unerlässlich, die Tide fest im Blick zu behalten.

Wir erweitern ein wenig unsere Komfortzone. 😚

Auf der Rückfahrt nach Whangārei machen wir nochmal einen Stop und schließen ein bisschen den Kreis zu den Gumdiggern von der Hinfahrt.

In der „Kā Uri Art Gallery“ mit Café und Holzwerkstatt geht es um Maorí-Kunst und insbesondere deren Beziehung zu den Kauri-Bäumen. Neben anderen Maorí-Kunstwerken sind diverse in Kauri-Holz ausgeführte Schnitzereien zu sehen. Verwendet wird dafür regelmäßig „unearthed Kauri“, also das in Sümpfen erhaltene uralte Holz versunkener Bäume. Wie riesig diese Kauri-Bäume waren, zeigt eine Wendeltreppe, die komplett in einen etwa 50.000 Jahre alten ausgegrabenen Kauri-Stamm hineingearbeitet wurde:

Work and Travel in Neuseeland

Nach der Reise zu Jacqui und Phil am letzten Wochenende steht wieder gehäuft Bootsarbeit an.

Beim Generator scheint der Wasserabscheider zum Glück doch in Ordnung zu sein, nach seinem Ausbau (er sitzt in der Backskiste) kommen wir außerdem besser an die Rückseite des Generators heran. Mechaniker Byron findet dann allerdings einen übel aussehenden Wärmetauscher am Generator.

Zum Glück stellt sich nach intensiver Reinigung heraus, dass die Ablagerungen nur von einem schlecht sitzenden Anschluss-Fitting herrühren, die beste aller Lösungen. Es fehlt nur noch eine (bereits bestellte) Dichtung.

Auch gut: die Teile für den Volvo-Motor (Turbo und Rohrbündel des Wärmetauschers) sind eingetroffen, die gereinigten Motorteile sind bereits grundiert und müssen nur noch lackiert werden, dann kann es an den Wiedereinbau gehen.

Schlechte Nachrichten gibt es zum Coppercoat: es wurde zwar Anfang der Woche geliefert, allerdings mit Ablaufdatum (bis zu dem es gestrichen werden soll) am exakt gleichen Tag. Das ist bei dem happigen Preis und einer Ablauffrist von normalerweise 12 Monaten nicht hinzunehmen. Wir erfahren, dass uns der Lieferant wahrscheinlich das Coppercoat gesendet hat, welches ein anderes Boot auf der Werft nach direkter Rücksprache mit dem Hersteller wegen des Ablaufdatums an den Lieferanten zurückgehen ließ.

Grrr. 😡

Eine neue Lieferung soll am 10. März kommen.

Was noch? Unter anderem bauen wir alle Polster aus dem Salon (also Sofaecke, Sessel, Navisitz) und den Sitz in der Achterkoje aus und geben sie zum Polsterer. Am schlimmsten präsentiert sich der Sitz am Navitisch, aber auch die Flecken und Scheuerstellen an den anderen Polstern haben wir zuletzt immer mit Überwürfen kaschiert. Das muss jetzt mal neu. Außerdem wollen wir die „runde Ecke“ des Sofas umarbeiten zu einer eckigen. Deutlich gemütlicher zum Liegen und auch zum Lömern mit hochgezogenen Beinen. Zudem wird das Staufach hinter der Rückenlehne besser zugänglich. Das Herausnehmen ist bei den meisten Polsterteilen recht einfach, nur einige verdeckt durch den Polsterstoff angeschraubten Rückenlehnen machen die Aktion doch etwas langwieriger.

Aber gut. Das ist jetzt also auch in Arbeit.

Zur „Arbeit“ fahren wir übrigens von unserem neuen AirBnB aus, das diesmal im Nordosten von Whangārei im Örtchen Tamaterau liegt. Zwar müssen wir bei der Anfahrt eine steile und enge Schotterpiste bewältigen, dafür ist die Aussicht aber phantastisch:

Und schon ist wieder Wochenende. Nach Work kommt Travel. Diesmal wollen wir ganz in den Norden zum Cape Reinga,

Ein Wochenende in Rangiputa

Die Bootsarbeiten hier in Whangārei werden wohl noch einige Zeit andauern. Einige Ersatzteile sind bestellt. Das Wochenende bietet eine gute Gelegenheit für etwas Abstand – im Wortsinne.

Wir fahren mit dem Auto etwa zweieinhalb Stunden nach Norden. Nicht zur hinauf zum Cape Reinga, der Nordspitze von Neuseelands Nordinsel, das wäre fast doppelt so weit. Unser Ziel ist Rangiputa auf der Karikari-Halbinsel, immerhin schon im District „Far North“ gelegen. Unsere neuseeländischen Segelfreunde Jacqui und Phil von der Skylark haben uns nach dort in ihr Ferienhaus eingeladen.

Wir halten die beiden mit unserem Besuch zwar von der Arbeit an der Erneuerung ihrer Terrasse ab, aber die beiden versichern uns, etwas Abwechslung von dieser Arbeit (und der Bootsarbeit auf Skylark) käme ihnen durchaus gelegen.

Es wird ein wunderschönes Wochenende. Jacqui und Phil sind leidenschaftliche Wingfoiler und auf der Terrasse direkt am Meer findet sich denn auch eine reichliche Auswahl an Spielzeugen. Der Wind hat allerdings ebenfalls eine Auszeit genommen. Kein Problem, wechseln wir hat auf ein anderes Spielzeug: mit dem Mini-Traktor zieht Phil sein kräftig motorisiertes RIB-Schlauchboot etwa 100 m die Straße hinunter zur Slipbahn.

Wiebke und ich fahren im RIB mit. Jacqui bringt Traktor und Trailor zurück, wir holen sie dann auf der Wasserseite ihres Grundstücks ab. Gemeinsam brausen wir über die Bucht und versuchen an verschiedenen Stellen unser Angelglück.

Allerdings: beim ersten Versuch haben wir nur bedingt Erfolg. Einen Pigfish lassen wir zurück ins Wasser und als sich Phils Angel danach dann so richtig biegt, ist es es kolossaler „Bronze Whaler“. Dieser kräftige Hai zieht uns eine ganze Weile kreuz und quer am Riff entlang, bis wir es im flachen Wasser nah an ihn heran schaffen und die Leine kurz abreißen können. Beim zweiten Versuch am nächsten Tag haben Phil und ich deutlich mehr Angelglück. Die gekauften Köderfische sind zwar so weich, dass sie im Wasser aufgetaut praktisch gleich vom Haken fallen, aber wir erwischen mit der Schleppangel einen „Kahawai“ (eine Art Lachsforelle), der sich kleingeschnitten hervorragend als Köder eignet. Damit fangen wir dann in kurzer Zeit 7 Snapper (zwei setzen wir zurück) und einen Trevally (Dickkopf-Stachelmakrele). Das Festessen ist also gesichert, zumal Phil beim Strandspaziergang am 3 km langen Karikari Beach auch noch fleißig „Tuatua“ sammelt. Diese sich im Sand vergrabenden Muscheln sind eine typische neuseeländische Speise, oft werden sie (frikadellenartig) zu Fritters verarbeitet.

Weil der Wind zum Wingfoilen nicht reicht, verlegen wir uns auf das Tow-Foilen. Es ist nicht ganz so einfach wie hinter unserer Florecita, weil das RIB mit seinem 115 PS Motor doch für ganz ordentliche Prop-Wash-Verwirbelungen sorgt. Aber nachdem ich dem etwas ausweiche und mich an Jacqui‘s ungewohnt schmales Downwind-Board sowie die mit viel Lift agierenden Armstrang-Foils gewöhnt habe, klappt es dann doch noch.

Es geht auch ruhiger: Wiebke und Jacqui nutzen die Terrasse zum morgendlichen Yoga und lassen sich auch von den auf dem Rasen vorbeispazierenden kalifornischen Schopfwachteln (wieder so eine heimisch gewordene importierte Art) nicht irritieren.

Ein herrliches Wochenende, die Zeit verfliegt. Zum Abschluss begleiten uns Jacqui und Phil noch eine Stunde auf der Rückfahrt Richtung Whangārei. Gemeinsam besuchen wir das Weingut „Marsden Winery“ bei Kerikeri und essen wunderbar im dortigen Restaurant.

Danke, Ihr Lieben, für Eure Gastfreundschaft und die tolle Zeit mit Euch!

Lust und Frust in Whangārei

Ich fang mal mit dem Positiven an: wir haben eine schöne Unterkunft hier in Whangārei und mit den Bootsarbeiten geht es auch langsam voran.

Unser AirBnB liegt eigentlich direkt neben dem State Highway #1, der längsten und wichtigsten Bundesstraße in Neuseeland. Trotzdem bekommen wir vom Verkehr kaum etwas mit, denn die Straße verläuft deutlich oberhalb des Grundstücks, das wir nur über eine Serpentine hinunter ins Flusstal erreichen. Das Flüsschen Waiarohia River strömt von Bäumen überdacht direkt unterhalb der Terrasse unserer Unterkunft laut rauschend durch sein felsiges, gewundenes Bett.

Auch wenn es morgens mit 12 Grad durchaus noch frisch ist, nehmen wir den zweiten Kaffee und das Frühstück deshalb gerne auf der Terrasse. Das Feierabendbier dafür dann gern auf einem der inzwischen aufgewärmten Felsen im Fluss (tagsüber hat es etwa 24 Grad).

Im klaren Wasser des Flüsschens können wir Neuseeländische Langflossenaale beobachten. Sie können bis zu 180 cm lang und 25 kg schwer werden, den größten hier schätzen wir auf gut über einen Meter. Die Maorí nennen diesen Aal „Tuna“, er ist als Speise geschätzt, hat aber auch mythische und religiöse Bedeutung.

So zeigt sich das Wasserungeheuer Taniwha (gesprochen Tanifa, wh wird wie f gesprochen, auch in Whangārei) häufig in dieser Form. Fängt man also einen solchen Aal, der andere Merkmale hat, etwa Streifen oder rote Augen, würde bei seiner Tötung ein Fluch auf dem Angler liegen. Wir angeln lieber nicht, sondern beobachten die Aale nur.

Floras Reparaturen sind bei unserer Ankunft wie erwartet noch nicht so suuuper weit, von den im November erteilten Aufträgen ist vieles bisher nicht abgearbeitet. Das ist etwas frustrierend, aber immerhin:
Der Anlasser ist getauscht, der Wärmetauscher ausgebaut (leider hat das Rohrbündel einen Riss), die Motorfüße erneuert, die flexible Wellenkupplung gecheckt (und für noch gut befunden), das Wellenlager erneuert, die Einspritzdüsen geprüft (gut), der Gori-Propeller auseinander genommen und geserviced (war schwierig), der durch nadelkleine Löcher leckende achtere Fäkalientank ausgebaut, ok, dann nehmen wir den vorderen Tank auch noch raus. 9 Seeventile sind bereits (gegen TrueDesign-Komposit-Ventile) getauscht, vier weitere in Arbeit. Mit dem Unterwasserschiff-Coppercoat konnte also noch nicht begonnen werden. Trotz Ansage im November ist das Coppercoat leider auch noch nicht bestellt, da laufen wir jetzt hinterher.

Außerdem bauen wir das Bimini ab, um einen Sturmschaden-Riss reparieren lassen zu können. Die bei SVB in Deutschland bestellte Ankerwinsch hängt noch im Zoll, es beginnt ein intensiver Email-Verkehr mit der neuseeländischen Post und dem Zoll.

Jetzt, wo wir da sind, gehen auch die Handwerker mit neuem Elan ans Werk. Der Turbolader gibt nach intensivem Zureden seinen Widerstand gegen den Ausbau auf, muss aber leider erneuert werden. Beim Wechsel der Anoden bricht ein Flügel am Propeller des Bugstrahlruders ab, das Material ist ziemlich spröde geworden, da steht also auch ein Austausch an. Am Generator zeigt sich, dass der Krümmer sich komplett zugesetzt hat. Der Wasserabscheider hat verdächtige Spuren, das muss näher untersucht werden.

Der Rahmen für die Befestigung der neuen Solarpanele ist noch nicht geschweißt. Mit dem dritten Handwerker der gleichen Firma nehme ich nochmal die Maße auf.

Nebenbei näht Wiebke neue Verdunklungsgardinen für die Achterkoje und wir versuchen das OceanAir Verdunklungsrollo/Fliegengitter für das Luk zu reparieren.

Langweilig wird es also nicht und dieser Kur-Werftaufenthalt hier bei Dockland 5 in Whangārei bedeutet sicher das umfangreichste Refit, das Flora bisher bekommen hat.

Zurück in Neuseeland

Wir sind gut wieder auf der anderen Seite der Erde gelandet. Nur 26 Stunden nach dem Abflug in Hamburg und mit einem kurzen Zwischenstopp in Dubai landen wir in Auckland.

Große Freude: Barbara und Ralph von der Lille Venn sind extra zum Flughafen gekommen um uns zu begrüßen. Mit dem Bus fahren wir zunächst gemeinsam Richtung Stadtzentrum.

Ich beschließe spontan, mit Ralph einen Abstecher zu dem Gebrauchtwagenhändler „Turners“ zu machen. Während Ralph die Formalitäten für den Kauf eines Audi Q3 voranbringt, schaue ich mir das übrige Angebot an. Wir suchen einen kleinen SUV für maximal 6.000 Euro. Ein Nissan Dualis sticht heraus. Den reserviere ich nach einer Probefahrt und gebe gleich eine Prüfung bei „My Auto Shop“ in Auftrag. Die unabhängigen Prüfer werden gleich am nächsten Tag vorbeikommen, um den Wagen für umgerechnet nur etwa 100 € ziemlich umfangreich zu checken.

Und dann geht’s für Wiebke und mich in unsere Unterkunft direkt am Hafen, wo am Abend auch unser Berliner Segelfreund Holger ankommt. Der hatte die gemeinsame Unterkunft gebucht, er ist für drei Wochen in Neuseeland und wir können die letzten Tage vor seinem Rückflug gemeinsam verbringen.

Die externe Prüfung des Autos erweist sich als gute Investition, denn es werden drei verdeckte Mängel entdeckt. Turners sagt zwar zu, diese beseitigen zu wollen, aber am nächsten Tag stellt sich heraus, dass ein dafür erforderliches Teil nicht rechtzeitig in dieser Woche beschafft werden kann. Also neue Suche, diesmal fällt die Wahl auf einen Mitsubishi ASX. Auch der wird wieder von My Auto Shop getestet, die sehr kooperativen Turners übernehmen dafür diesmal die Kosten. Diesmal wird ein Fehler am CV joint entdeckt (einem flexiblen Gelenk an der Antriebswelle). Mit viel Glück kann Turners das Ersatzteil rechtzeitig besorgen und am Samstag einbauen, so dass wir den Wagen dann tatsächlich am Wochenende übernehmen können. Versicherungsabschluss und Ummeldung werden direkt bei Turners gemacht.

Vorher steht für Wiebke, Holger und mich allerdings noch ein Wechsel der Unterkunft an. Die ohnehin schon recht exquisite Unterkunft am direkt am Hafen steht wegen des am Wochenende stattfindenden Sail GP nur bis Freitag zur Verfügung. Wiebke ertrüffelt ein AirBnB in Aucklands beliebtem Stadtteil Ponsonby, mit seinen wunderschönen viktorianischen Holzhäusern und seinen vielen Restaurants und Läden ein spannender Kontrast zu unserer ersten Unterkunft in Downtown.

Den Sail GP erleben wir dann am Sonntag auch noch live. Die foilenden Katamarane fliegen mit bis zu 100 km/h über den Rennkurs. Das hat mit unserer eigenen Art zu segeln zwar so viel (oder wenig) zu tun wie unser neues Auto mit einem Formel1-Boliden, aber faszinierend ist es trotzdem.

Und immerhin schafft das deutsche Boot in seinen beiden Läufen einen dritten und einen zweiten Platz. Das reicht zwar nicht fürs Finale, ist aber trotzdem ein ziemlich gutes Ergebnis. Und mit den Bildern vom schlimmen Crash zwischen dem neuseeländischen und dem französischen Boot beim Rennen am Vortag im Kopf sind wir auch froh, dass es diesmal ohne Kollision abgeht.

Nach dem Rennen treffen wir uns nochmal mit Barbara und Ralph, danach fahren wir mit unserem „neuen“ Auto nach Whangārei. Morgen geht’s dann zurück zur Flora.

Hamburg und Südamerika, die Schweiz und Schweden …, alles an einem Tag.

Die Welt an einem Tag. Und dabei nicht nur schauen, sondern auch schlemmen. Eine kulinarische Weltreise mit nur einigen Schritten verspricht das Miniaturwunderland mit einer Sonderveranstaltung.

Unser Freund Uwe hat uns anlässlich seines Geburtstags zu diesem Event in die Speicherstadt eingeladen. Dort die größte Modelleisenbahn der Welt zu bestaunen ist ohnehin schon klasse, mit Beköstigung dann um so mehr.

Leider, leider kann Uwe dann selbst nicht dabei sein, weil seine Knie-OP dazwischenkommt. Gute Besserung nochmal von hier aus.

Das Miniaturwunderland weiß zu begeistern. Auf über 1.600 qm Modellfläche sind mehr als 16 Kilometer Gleise verbaut, dazu die Gebäudeanzahl einer Kleinstadt und fast 300.000 Figuren. Aber mehr noch als die schiere Größe und Vielfalt fasziniert der Einfallsreichtum und die Kreativität hinsichtlich der Details, die erst bei näherem Hinsehen auffallen. In der Schweiz rollen aus einem verunfallten LKW Käselaibe über die Fahrbahn, im winterlichen Schweden stemmt Pippi Langstrumpf vor der eingeschneiten Villa Kunterbunt ihr Pferd in die Höhe. Im Sonnenblumenfeld versteckt sich ein Liebespaar, darüber schwebt Amor mit Pfeil und Bogen. Die Schokoladenfabrik wirft sogar kleine Täfelchen für die Besucher aus. Skurriles und Witziges verbirgt sich allenthalben. Vom Leuchtturm hinterm Deich schaut Käptn Blaubär auf ein surfendes Känguru. Modellautos sausen kabellos über die Straßen, veranstalten gar ein Formel1 – Rennen mit Überholmanövern. Blaulichter blinken und im Tag-Nacht-Rhythmus verändert sich alle Viertelstunde die Beleuchtung.

In Hamburg brennt das Finanzamt, gibt es Schlagemove an den Landungsbrücken, den Motorradgottesdienst am Michel, die Elbphilharmonie klappt auf Mitmachen-Knopfdruck sogar auf und gibt einen Blick in den großen Konzertsaal frei. Schlepper ziehen einen Tanker unter der Köhlbrandbrücke durch. Am Flughafen versteckt sich unter Flugnummer HH 0004 der Flieger nach „jaaanz weit wech“.

Auch Segler kommen nicht zu kurz: ob mondäne Yachten in Monaco oder einfache Arbeitsboote an der italienischen Küste, ein Gaffelsegler vor Rio oder Shackleton‘s Endurance nebst Beiboot James Caird in der Antarktis, selbst das Forschungsschiff Aldebaran und Boris Hermanns Malizia lassen sich entdecken. Und Fischerboote trotzen im Maßstab 1:87 dem rauen Wetter Patagoniens.

Danke, Uwe!

Als wir nach fast vier Stunden kurz vor Mitternacht das Miniaturwunderland wieder verlassen, zeigt sich die eisbedeckte Elbe mit Flussschifferkirche und dem Michel im Hintergrund dann auch in echter Größe ähnlich magisch beleuchtet und schön wie zuvor die Landschaften im Miniaturformat. Und die Schiffsnamen spannen auch hier draußen den Bogen zwischen der Heimat und der weiten Welt.

Vortrag beim Blauwasserseminar auf der BOOT

Im Januar findet in Düsseldorf jährlich mit der BOOT statt. Mit 1.500 Ausstellern und 200.000 Besuchern ist es die weltgrößte Yacht- und Wassersportmesse.

In den Jahren vor unserer Langfahrt war das für uns natürlich immer ein Riesending. Boote anschauen, vor allem aber Ausrüstung und Zubehör. Außerdem gibt es Bühnen, auf denen Vorträge zu Wassersportthemen gehalten werden. Da konnten wir anderen Seglern lauschen, die über ihre Törns berichteten.

Und dieses Jahr? Haben wir selbst einen Vortrag über unsere inzwischen fast 4 Jahre mit der Flora im Pazifik gehalten. Auf dem Blauwasser-Seminar 2026 (www.blauwasser.de).

Hat richtig Spaß gemacht.

Eisblumen

Eine schöne Überraschung heute früh: Eisblumen an unserem Wintergarten.

Das ist ein seltener gewordener Anblick, denn während sich früher Eisblumen oft INNEN an schlecht isolierenden Einfachverglasungen bildeten, weil die wärmere (und feuchtere) Innenluft an der eiskalten Scheibe gefror, kommt das bei guter Thermo-Verglasung eben kaum mehr vor. An der Dreifach-Verglasung unseres Wintergartens haben sich die Eisblumen deshalb gebildet, weil die äußere Scheibe nach der eiskalten Nacht von etwas wärmerer Alsterluft gestreift wurde. Um kleine Staubpartikel oder Wischlinien vom Fensterputzen herum bilden sich dann Eiskristalle. Dafür gab es offenbar nur ein ganz kleines Temperaturband, denn an allen anderen Fenstern hatten wir keine Eisblumen. Nur im Wintergarten an Fenstern, die keinen Überhang durch das Dach oder die Treppe haben.

Vergängliche Schönheit von kurzer Dauer, inzwischen hat die Sonne die Eisblumen schon wieder komplett weggeschmolzen.

Dänemark über Silvester

Urlaub im Landurlaub. Meine Geschwister haben über Silvester für die Familie ein großes Ferienhaus in Dänemark gemietet. Mit 14 Leuten machen wir es uns dort gemütlich. Lassen uns vom kalten Wind auf langen Strandspaziergängen zerzausen, wärmen uns in der Sauna wieder auf. Spielen, lesen, stricken. Reden.

Der Schnee am letzten Tag ermöglicht nach der Sauna zwar einen Engel auf der Terrasse, macht aber die Heimfahrt ein bisschen tricky. Wir kommen bis Hamburg noch ganz gut durch, danach setzt aber wieder Schneefall ein und lässt es für den Rest der Familie zu einer ziemlich langen Fahrt werden. Immerhin, alle kommen heile an.

Da genießen Wiebke und ich schon einen Glühwein auf unserer tief verschneiten Terrasse im Winter-Wonderland-Hamburg.

Frohes Neues Jahr!