Schattenseiten: Formularkram und Segel verschwunden

Am 21. August haben wir die VerlĂ€ngerung unserer Aufenthaltserlaubnis fĂŒr Fiji beantragt. Bei Einreise wurden vier Monate gewĂ€hrt, eine VerlĂ€ngerung fĂŒr weitere zwei Monate ist möglich. Sie muss Online beantragt werden. Sollte eigentlich kein Problem sein. Am Ankerplatz in Kandavu starten wir den Prozess.

Das Formular auf https://immihub.immigration.gov.fj/FIDPortal/welcome stellt die erwartbaren Fragen (Person, Passnummer etc), weist aber auch einige Kinken auf. Die zwingend notwendige Eingabe einer Adresse in Fiji lĂ€sst sich noch mit dem Ankunftshafen ĂŒberbrĂŒcken, bei „evidence of financial support: recent bank statement“ wird es schon schwieriger, denn den (deutsche) Kontoauszug zum Nachweis ausreichender Mittel wird erstmal ohne BegrĂŒndung nicht akzeptiert. Trotz der aus dem Dropdown-Menu einzig passenden Angabe „self sponsored“ wird außerdem die „company registration“ als PDF angefordert. Gibt es natĂŒrlich nicht, aber ohne das AnhĂ€ngen irgendeiner PDF geht es hier im Formular nicht weiter. Gleiches gilt fĂŒr das zwingende AnhĂ€ngen eines PDF des RĂŒckflugtickets nach Deutschland, wir ĂŒberbrĂŒcken dies mit dem AnhĂ€ngen der Bootspapiere. Ein aktuelles Foto in PassfotogrĂ¶ĂŸe, nicht Ă€lter als drei Monate. Auf Kadavu können wir nur gegenseitig Fotos machen und sie auf Passfotoformat zuschneiden.

Immerhin schaffen wir es nach ein paar Stunden, fĂŒr jeden von uns so ein Formular ausgefĂŒllt abzuschicken und die jeweils 93$ GebĂŒhr zu bezahlen. Die RĂŒckfragen beschĂ€ftigen uns dann allerdings bis heute. Bankauskunft neu und mit persönlicher Anmerkung: o.k.

Dann die Forderung nach einer zertifizierten (beglaubigten) Passkopie. Wir schreiben zurĂŒck, dass wir auf einer abgelegenen Insel im Kadavu-Archipel sind, hier gibt es keinen Notar. Da ein PDF angehĂ€ngt werden muss, um die Antwort absenden zu können, fĂŒgen wir ein Foto von uns mit den geöffneten PĂ€ssen in der Hand bei. Netter Versuch, immerhin wird als Antwort die Frist fĂŒr die elektronische Abgabe der Beglaubigung von einem auf vier Tage verlĂ€ngert. Danach mĂŒsste ein neuer Antrag gestellt werden (mit neuer GebĂŒhr).

Wir segeln von Kadavu 100 Seemeilen hinĂŒber zu Fijis Hauptinsel Viti Levu und ankern vor dem Touristenort Denarau. Im dortigen BĂŒro von Customs und Immigration werden wir mit unseren PĂ€ssen vorstellig. Wenn online die Freigabe erfolgt wĂ€re, wĂŒrden die Behörden hier auch ein neues Datum in unseren Pass stempeln, aber unseren Pass beglaubigen können sie angeblich nicht. Immerhin macht der Zollbeamte Kopien unserer PĂ€sse und nimmt sie mit zu seinem anderen Arbeitsplatz am Flughafen. Dort in der NĂ€he ist auch ein AnwaltsbĂŒro, das die Beglaubigungen macht. Unsere PĂ€sse braucht er dafĂŒr nicht mitnehmen. Am nĂ€chsten Tag können wir die beglaubigten Kopien im ZollbĂŒro abholen (40$). Wir fotografieren die Beglaubigung, wandeln sie in PDF um, laden sie online hoch.

Einen Tag spĂ€ter kommt die Antwort, dass bitte jetzt auch die aktuellen Fotos im Passfotoformat beglaubigt einzureichen wĂ€ren. Das Onlineformular sieht hierfĂŒr zwar die Notwendigkeit der Beglaubigung nicht vor, aber so kommen wir ja nicht weiter. Immerhin, diesmal wird uns ergĂ€nzend erlĂ€utert, dass auf abgelegenen Inseln hilfsweise z.B. die Krankenschwester oder der Lehrer die Zertifizierung vornehmen dĂŒrfte. Na toll, diese Info kommt ein bisschen spĂ€t.

Wir nehmen ein Taxi zum Flughafen, finden ein AnwaltsbĂŒro und lassen uns die Ausdrucke unserer Fotos abstempeln. ZurĂŒck an Bord, in PDF umwandeln, einreichen. Aber jetzt ist Wochenende, bisher haben wir noch keine Antwort.

Fiji-Time: Abwarten.

In Denarau wollen wir auch unsere reparierte Fock abholen, die wir im Mai ĂŒber den Agenten YachtHelp von Savusavu zum Segelmacher Marshall-Sails gesandt hatten. Nach der Reparatur hatte Marshall-Sails es an YachtHelp Denarau gegeben. Die sollten es zurĂŒck zu ihren Kollegen senden, aber wie wir im August in Savusavu feststellen mussten, hat das nicht geklappt. Dann holen wir es eben selbst in Denarau ab. Nur: da ist es auch nicht, man teilt uns mit es sei bei YachtHelp in der Vuda-Marina, immerhin auch hier auf Viti Levu, gar nicht so weit entfernt. Wir mieten ein Auto, um es abzuholen und bei der Gelegenheit noch EinkĂ€ufe zu erledigen.

YachtHelp Vuda bestĂ€tigt, dass sie das Segel haben mĂŒssten. Nur: sie finden es nicht. Sie sind unlĂ€ngst auf dem MarinagelĂ€nde umgezogen, vielleicht sei deshalb das Segel „misplaced“. Wir warten im Restaurant, wir machen unsere EinkĂ€ufe. Das Segel hat sich noch nicht angefunden. Man suche verzweifelt, sehe inzwischen auch die Aufnahmen der Sicherheitskameras durch, werde sich melden. Inzwischen sind drei Tage vergangen, das Segel ist noch nicht gefunden, die Suche geht weiter.

Frust. Abwarten. Aber: am Ende wird alles gut. Wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.

Auch das ist Segler-Leben unterwegs. Nicht immer ist alles eitel Sonnenschein.

Sonnenaufgang am Ankerplatz in Denarau

Mantas, Schlittenfahrt in der Naiqoro Bay und Schnorcheln im Pass am Astrolabe Reef

In der Blue Lagoon Bay verabschieden wir uns von Einhandseglerin Ruby, sie nutzt ein Wetterfenster zur Überfahrt zu Fiji‘s Hauptinsel Viti Levu.

Da mĂŒssen wir auch demnĂ€chst hin, denn unsere Visa laufen bald ab. Eigentlich kann so ein Visum online verlĂ€ngert werden, aus unerfindlichen GrĂŒnden muss dabei jedoch ein PDF der Zertifizierung des Fotos des Reisepasses eingesandt werden (quasi ein Foto der Beglaubigung des Fotos des Passes). Das ist hier auf Ono nicht zu erhalten, wir werden es wohl in Denerau auf Viti Levu erledigen mĂŒssen.

Aber: fĂŒr das Wochenende ist ruhiges Wetter vorhergesagt. Das wollen wir nutzen, um noch einmal unser GlĂŒck beim Schnorcheln mit (hoffentlich) Mantas bei Buliya Island zu versuchen und danach auf der Ostseite von Kadavu zu ankern. Das soll uns ermöglichen, auch noch direkt am Außenriff oder in einem Pass des Great Astrolabe Reefs zu schnorcheln.

Obwohl Wind und Wellen am Freitag noch stĂ€rker als vorhergesagt sind, verlegen wir Flora zur Manta-Insel. Etwa einen halben Meter Welle haben wir an deren Nordspitze zwar noch, das macht das Schnorcheln anstrengend. Wir sind vorerst die einzigen dort, aber wir werden belohnt. Bis zu fĂŒnf große Riff-Mantas gleichzeitig drehen dort ihre Kreise und lassen sich dabei von unserer Anwesenheit nicht beirren. Sowohl Mantas mit weißer als auch solche mit schwarzer Unterseite sind darunter. Mit gemĂ€chlichem FlĂŒgelschlag gleiten sie um uns herum. Die Begegnung mit diesen bis zu fĂŒnf Meter FlĂŒgelspannweite aufweisenden riesigen und doch so sanften Rochen ist immer wieder ein wunderschönes Erlebnis. In der Mythologie der SĂŒdsee stehen Mantas als spirituelle Wesen sowohl fĂŒr die Verbindung mit den Ahnen als auch fĂŒr das mit den Göttern verknĂŒpftes Wissen, fĂŒr Harmonie und eine sichere Passage auf See. Kein Wunder, dass wir Segler sie lieben! (zum VergrĂ¶ĂŸern auf ein Bildchen klicken)

Nach dem Schnorcheln wechseln wir noch einmal den Ankerplatz. Wir segeln östlich um Ono herum. Zwischen der Insel und dem Außenriff hindurch schlĂ€ngeln wir uns an diversen Korallenköpfen und Flachs vorbei an die Ostseite von Kadavu Island, der grĂ¶ĂŸten Insel am 65 km langen Great Astrolabe Reef.

Der dem Riff zugewandte Osten der Insel ist die Wetterseite, hier schiebt der Passatwind normalerweise Wolken die steilen HĂ€nge des bergigen Terrains hinauf, sorgt so fĂŒr ĂŒppige NiederschlĂ€ge und teils dichten Regenwald. Das unwegige GelĂ€nde verhindert Landwirtschaft in grĂ¶ĂŸerem Stil wie etwa den Anbau von Zuckerrohr. Industrie gibt es ebenfalls nicht, die meisten Bewohner betreiben Subsistenzwirtschaft, also Selbstanbau des Notwendigen zu Leben sowie etwas Fischerei. Der wenige Tourismus hĂ€ngt zumeist mit dem Tauchen am Great Astrolabe Reef zusammen und wird ganz ĂŒberwiegend mit einfachen kleinen Lodges statt internationaler Ressorts bedient.

Wir entscheiden uns fĂŒr den Ankerplatz in der Naiqoro Bay. Noch kommt der Wind recht frisch aus Ost, aber die der Bucht vorgelagerten Riffe brechen den Schwell. FĂŒr die Nacht und den nĂ€chsten Tag sind nachlassende und rĂŒckdrehende Winde angesagt, also zunĂ€chst Nord und spĂ€ter West. DafĂŒr eignet sich der Ankerplatz perfekt.

TatsĂ€chlich haben wir eine sehr ruhige, erholsame Nacht. Gleich nach dem Morgenkaffee fahren wir mit dem Dinghy zum Dorf Naiqoro, denn es ist gerade Hochwasser. Das wollen wir nutzen, denn im Scheitel ist die Bucht sehr flach, zwei kleine FlĂŒsschen mĂŒnden hier und lagern reichlich Schwemmsand ab. Selbst bei Flut halten wir uns dicht an die Mangroven, dort ist das Wasser am tiefsten und unser Außenbordmotor muss keine Furche in den Schlamm wĂŒhlen.

Kurz nach uns landet ein Longboat am Steg seinen guten Fang an, die Bucht ist reich an Fisch.

Einer der Fischer ist der Headman des Dorfes, er bringt uns fĂŒr das Sevusevu zum Chief. Der empfĂ€ngt uns sehr freundlich, wir bringen das rituelle Gastgeschenk der Kawa-Wurzeln dar und werden offiziell als GĂ€ste in die Dorfgemeinschaft aufgenommen. Der Chief ruft seinen Enkel Dan. Der ist wegen der Schulferien nicht in Suva, sondern hier im Dorf bei seinem Großvater. Dan wird uns das Dorf zeigen. Was eine lĂ€stige und vom Spielen abhaltende BĂŒrde fĂŒr den Enkel sein könnte, scheint diesem im Gegenteil viel Spaß zu machen. Dan bleibt auch nicht allein, seine Freunde begleiten ihn. Wir sind erst ein paar Meter weit gegangen, da greift außerdem schon ein MĂ€dchen Wiebkes Hand, kurz danach kommen weitere Kinder angelaufen und gesellen sich auch zur Wandergesellschaft. Dan fĂŒhrt uns durch Naiqoro, zeigt uns wie im Wald geerntete Kawa-Wurzeln getrocknet werden, welche Pflanzen im Ort und welche auf den Feldern höher am Berg angebaut werden. Sein Freund erklĂ€rt uns die Dorfglocke, die ebenso wie die obligatorischen Trommeln sonntags zum Kirchgang ruft. Thradition trifft Moderne: eine Frau sortiert PalmblĂ€tter zum Flechten einer Matte, neben ihrer HĂŒtte sorgt ein aufgestĂ€ndertes Solarpanel fĂŒr Strom. Einfache Schaukeln gibt es fast ĂŒberall, Plastikpistolen als Spielzeug scheinbar auch. Vor einer anderen HĂŒtte haben sich ein paar MĂ€nner versammelt, das Mobiltelefon darf auch in diesem Dorf ohne Straßenanbindung nicht fehlen.

Und die Kinder zeigen uns auch ihre „Schlitten-Piste“. Ein halbierter Kanister wird mit einem hinein gelegten Kissen gepolstert und los geht die Rutschpartie den Hang hinunter:

Bei der FĂŒhrung durch das Dorf haben offenbar nicht nur wir, sondern auch die Kindern richtig Spaß.

Im Hintergrund die Flora

Der Rundgang endet wo er begann, beim Chief. Der hat nĂ€mlich zwischenzeitlich fĂŒr uns ein FrĂŒhstĂŒck mit Tee und Kuchen in einer NachbarhĂŒtte organisiert.

Wunderbare Gastfreundschaft in Fiji!

In der „Blue Lagoon“ bei Anelen und Tai

Mit dem Dinghy fahren wir aus der Bucht vor Nabouwalu heraus, eben nördlich um die Ecke herum. Hier liegt die Makani von Einhandseglerin Ruby vor Anker, die wir schon in Französisch Polynesien und auch Tonga getroffen haben. Vor dem Schnorcheln klönen wir noch ein bisschen mit Ruby und beschließen dann, Flora hierher zu verholen. Auf Noforeignland heißt der Ankerplatz „Blue Lagoon“, aber da ist dann doch deutlich vielleicht jemandes Phantasie ein bisschen durchgegangen. Weder ist das Wasser besonders blau, noch wird dieser Platz durch eine eigene Lagune gebildet. Eigentlich ist es eine eher offene Bucht, so dass tatsĂ€chlich auch etwas mehr Schwell hinein steht. Schön ist es aber trotzdem, denn im hell tĂŒrkis schimmernden Flachwasserbereich bei 5 m Wassertiefe gibt es einige ausgedehntere Sandflecken zwischen den Korallen, hier findet auch der Anker guten Halt.

Auf den sich an der ganzen Bucht entlang ziehenden heller Strand aus Sand und Korallenschutt scheinen einige grĂ¶ĂŸere Felsen wie malerisch hingewĂŒrfelt. Neben Palmen wird der Strand auch von BĂ€umen einer Feigenart gesĂ€umt, deren knorriger Stamm und die teils niedrig ĂŒber den Strand kriechenden Äste manchmal kaum von den Steinen zu unterscheiden sind.

Ein bisschen versteckt liegt das GrundstĂŒck von Anelen und Tai an dieser Bucht. Wir statten den beiden einen Besuch ab und werden gleich mit Pawpaw (Papaya) beschenkt.

Bei unserem nĂ€chsten Besuch bringen wir Gegengeschenke mit, unter anderem fĂŒr ihre kleinen Töchter Eka (2 1/2) und Sai (1) Farbstifte und einen kleinen Stoffteddy. Das kommt gut an und unsere Gastgeber stiefeln gleich wieder in ihren großen Garten. Tai holt Cassawa (Maniok / Tapioka) und zeigt uns auch gleich, wie man die Ă€ußerlich dunkelbraunen Wurzeln am Besten von ihrer harten Schale befreit um an das strahlend weiße Innere zu kommen. Zubereitet wird Cassawa dann wie bei uns Kartoffeln: meist gekocht, aber frittiert, gebraten oder im Ofen gegart geht ebenso.

Wir verlegen uns vom Schenken auf das Helfen: am Haus lehnen zwei feste, nicht angeschlossene Solarpanel. Darauf angesprochen, erklĂ€rt Tai, die Panel wĂŒrden nicht funktionieren. Bei dem einen ist die Ursache offensichtlich, es ist zerbrochen. Das andere sieht aber heile aus. Ich hole Werkzeug vom Boot und messe es durch. Das Panel ist in Ordnung, die Steckverbindung im Kabel aber defekt. Also nochmal zum Boot, MC4-Stecker und Crimpzange holen. Nach der gelungenen Reparatur stellt sich aber heraus, dass im Haus zwar neue Batterien stehen, allerdings gibt es keinen Solarregler. Die Batterien sind auch nicht angeschlossen und werden auch nicht geladen. Man halt halt schon mal einzelne Teile, aber noch kein System. Energie gibt’s derzeit nur direkt ĂŒber einen Dieselgenerator.

Wir haben noch einen Ă€lteren Solarregler an Bord, der mal als Reserve gedacht war, dann aber durch einen etwas grĂ¶ĂŸeren verdrĂ€ngt wurde. Und auch eine USB-Steckdose, die ebenfalls einer leistungsfĂ€higeren gewichen ist. Also nochmal zum Boot, die Teile holen und installieren. Hier machen sie Sinn und liegen nicht nur rum. Die erste provisorische Installation passt ganz gut zu den vor Ort bereits vorhandenen „fliegenden“ Kabeln aber ich bereinige meinen Teil dann doch noch etwas. Und jedenfalls funktioniert es.

Tai möchte dann noch das Panel auf das Wellblechdach bringen. Als ich mit ihm aufs Dach steige, findet sich dort oben zu meiner Überraschung sogar schon eine Unterkonstruktion.

Allerdings sind die Schrauben der Befestigungswinkel zu kurz. Nochmal zur Flora, da habe ich etwas lÀngere, passende.

Viel Fahrerei und Bastelei, aber auch das gute GefĂŒhl, vor Ort sinnvoll geholfen zu haben. Ein schöner Nachmittag!

Ono im Great Astrolabe Reef

Von Gau aus segeln wir bei weiterhin idealen Bedingungen in einem langen Tagesschlag von etwas ĂŒber 70 Seemeilen zum Great Astrolabe Reef. Wie vorhergesagt nimmt der Wind unterwegs langsam ab und dreht achterlicher, wir wechseln von der Fock auf den Code0 und weiter auf unser grĂ¶ĂŸtes Vorsegel, den Gennaker.

Herrliches, flottes Segeln. Und schnell muss es sein, denn auch so schaffen wir es nur gerade eben bei Tageslicht in das Great Astrolabe Reef einzulaufen, der Anker fĂ€llt genau zum Sonnenuntergang bei Buliya Island. Am nĂ€chsten Morgen folgt das Sevusevu beim Chief des Dorfes. Erstmals sitzen wir dazu im Haus eines Chiefs nicht klassisch auf dem Boden, sondern auf einem Sofa. Chief Joe und seine Frau Cilia laden uns zum Tee ein und wir reden lange ĂŒber Fiji, Deutschland und ĂŒber Australien. Dort haben die beiden lange gelebt, ihre Kinder und Enkel wohnen dort. WĂ€hrend unseres Besuchs geht ein schwerer Regenschauer nieder, das Wetter hat sich deutlich verschlechtert.

Unser Ankerplatz wird auch zunehmend unruhig, wir verlegen die Flora eine Meile weiter sĂŒdlich zu einer kleinen Nachbarinsel. Hier liegen wir etwas besser und hĂ€tten eigentlich die Chance, mit Mantas zu schnorcheln. Nur, die natĂŒrliche Putzerstation fĂŒr diese großen Rochen ist in den jetzigen Bedingungen zu exponiert, um dort in Ruhe zu schnorcheln, etwa einen Meter hohe Wellen ziehen darĂŒber hinweg. Wir bleiben eine Nacht, aber als es nicht besser wird und fĂŒr die nĂ€chsten Tage noch krĂ€ftigere Winde mit Böen deutlich ĂŒber 30 Knoten vorhergesagt werden, verholen wir erneut. Wir bleiben in der vom etwa 65 km langen Great Astrolabe Reef geschĂŒtzen Kadavu-Inselgruppe. Dieses Mal fĂ€llt der Anker in der gut geschĂŒtzten Bucht vor dem Dorf Nabouwalu an der etwas grĂ¶ĂŸeren Insel Ono.

Auch wenn der innere Teil der Bucht von Nabouwalu durch ein großes Flachwassergebiet mit vorgelagerten Korallen gebildet wird, liegen wir hier sehr geschĂŒtzt.

Der Zugang zum Dorf ist allerdings nur um Hochwasser herum möglich, bei Niedrigwasser ist selbst die Einfahrt in das etwas tiefere Flussbett vor dem Ort fĂŒr unser Dinghy zu flach.

Wir kommen an einem Sonntag an und hören, wie die Trommeln im Dorf zum Kirchgang rufen. Es regnet, wir bleiben an Bord. Die Fahrt in den Ort zum Sevusevu machen wir dann am Montag, allerdings immer noch im Regen.

Am Dienstagnachmittag kommt tatsĂ€chlich mal die Sonne durch, Zeit fĂŒr die Drohnenbilder. Und – wer sagt es denn – sogar fĂŒr einen Sundowner.

Heute zeigt sich die Sonne zwar nicht, aber immerhin bleibt es (fast) trocken. Wir nutzen das fĂŒr einen ausgedehnten Hike ĂŒber die Insel Ono. Leider verschusseln wir, die Wander-App Komot gleich zu Beginn einzuschalten, etwa 10 Kilometer werden es insgesamt wohl. Als Guide hat sich Isea angeboten, der uns bei unserer Anlandung in Nabouwalu begrĂŒĂŸt. Ohne ihn hĂ€tten wir den manchmal recht zugewachsenen Pfad wohl auch nicht gefunden. Isea holt von Zuhause kurz noch Gummistiefel und eine Machete, mit der er zwischenzeitlich auch den Trail freischlĂ€gt.

Das Höhenprofil unserer Wanderung sieht gar nicht sonderlich anstrengend aus, aber die schmalen und vom Regen der letzten Tage rutschigen Pfade haben es durchaus in sich. Bei unserer RĂŒckkehr spĂŒren wir unsere untrainierten Beine deutlich. Aber es lohnt sich. Der Trail fĂŒhrt erst durch Kassavafelder am Dorf, dann durch verschiedene WĂ€lder. Palmen, Baumfarne, Bambus und Kiefern wechseln sich ab. Über Trittsteine queren wir mehrere BĂ€che.

Isea erklĂ€rt uns, dass auf dem fruchtbaren Ono – anders als auf den meisten kleineren Inseln – sogar der Kawa-Strauch wĂ€chst und er zeigt uns, welche weiteren Pflanzenteile davon außer der Wurzel noch verwendet werden.

Im Dorf Naqara werden wir freudig begrĂŒĂŸt. Die Kinder der Schule ĂŒben draußen gerade fĂŒr ihr Fest zum Abschluss des Schulhalbjahres am Ende dieser Woche. Lehrerin Sala hat die jĂŒngeren Klassen versammelt und sie trainieren enthusiastisch ein Meke, die traditionelle fijianische Kunstform, die Gesang, Tanz und das ErzĂ€hlen von Geschichten vereint. Wir dĂŒrfen zuschauen:

Ab durch die Mitte: Lomaiviti

Fiji gliedert sich in 14 Distrikte, aber obwohl wir schon drei Monate durch Fiji segeln, haben wir erst zwei davon besucht. Das hat mit der WeitlĂ€ufigkeit Fijis, aber auch mit dem Zuschnitt der Distrikte zu tun. Allein 8 der 14 Distrikte liegen auf der Hauptinsel Viti Levu, da waren wir bisher mit Flora noch nicht. Der erste von uns besuchte Distrikt „Cakaudrove“ beinhaltet neben einem großen Teil der zweitgrĂ¶ĂŸten Insel Vanua Levu in der Umgebung von Savusavu auch die Nachbarinsel Taveuni. Und der zweite von uns besuchte Distrikt „Lau“ hat zwar nur 9.600 Einwohner, aber die leben eben verteilt auf abgelegenen und ĂŒber rund 400 km verstreut liegende Inseln im Osten Fijis. Da gab es viel zu entdecken.

Jetzt aber geht es in das Herz Fijis, geographisch und auch historisch. Lomaiviti heißt dieser Distrikt, der die Inselgruppe im Zentrum bezeichnet. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn Lomai bedeutet auf fijianisch Mitte/Zentrum/Inneres und Viti eben Fiji. Historisch war zudem bis 1882 Levuka auf der zu Lomaiviti gehörenden Insel Ovalau die Hauptstadt Fijis.

Das Wetterfenster ist ausnahmsweise gĂŒnstig, um von Savusavu aus nach SĂŒden in Tagesetappen durch Lomaiviti zu segeln. Unser erstes Ziel ist dabei die Insel Koro. Diese fruchtbare Vulkaninsel bietet zwar wenig guten Ankergrund, aber vor einem Resort in Nordwesten der Insel sind mehrere Mooringbojen ausgebracht. Ideal fĂŒr einen Übernachtungs-Zwischenstopp, zumal kein Sevusevu erforderlich ist und die etwa 8 Euro Mooring-GebĂŒhr gleichzeitig als Verzehrgutschein an der Bar gilt.

So hatten wir es vorher gelesen und so ist es im Prinzip auch, nur ist das Resort eigentlich noch gar nicht in Betrieb. Als wir mit dem Dinghy am ewig langen Steg des Resorts anlanden, die nur mit Angelschnur befestigte Aluleiter hinaufklettern und zur Rezeption gehen, wird das beim NĂ€herkommen immer deutlicher. Was aus der Ferne durchaus ansehnlich schien, entpuppt sich als aktive Baustelle.

Immerhin, die Rezeptionistin gibt uns an der Bar zwei Dosenbier und wir dĂŒrfen uns auch auf dem BaustellengelĂ€nde bewegen, sogar die HĂ€ngematten am Strand benutzen.

Und wir sehen mehrere der auf dieser kleinen Insel endemischen Koro-Rotglanzsittiche, einer Unterart der Pampadursittiche.

Am nĂ€chsten Morgen zieht es uns dennoch frĂŒh weiter, wir wollen den gĂŒnstigen Wind fĂŒr einen 45 Seemeilen langen Schlag hinunter in die Lagune von Gau nutzen. Es wird ein wunderschöner Segeltag bei bestem Wetter.

Bei der Einfahrt in die Lagune allerdings sehen wir, dass sich an einem HĂŒgel der Insel ein Feuer entwickelt. Rauchwolken kleinerer BrĂ€nde sind auf Fiji Alltag, völlig normal. MĂŒll wird verbrannt, Felder abgeflammt. Das hier sieht anders aus, entwickelt sich weiter, lĂ€uft bei starkem Wind in beide Richtungen die HĂ€nge hinauf.

Wir ĂŒberlegen ernsthaft, ob wir weiterfahren sollen, auch wenn der Wind den Rauch von unserem Ankerplatz zum GlĂŒck fernhĂ€lt.

Beim Sevusevu am nĂ€chsten Morgen (im Dorf Sawaieke sind Sonnenbrillen o.k., RucksĂ€cke tragen jedoch tabu) erklĂ€rt uns der Chief dann aber bei Tee und Roti, das sei kein außergewöhnliches Feuer gewesen. Ein Farmer habe nur sein Feld-Yams abgeflammt und wĂŒrde jetzt die Wurzeln ernten. Alles ganz normal. Hm. Wir hatten uns wirklich Sorgen um das Dorf gemacht, das genau zwischen dem Feuer und unserem Ankerplatz liegt.

Überhaupt, der Ankerplatz. Zwar ist die Einfahrt in die geschĂŒtzte Lagune im Westen der Insel Gau recht einfach, aber trotzdem statten ihr vergleichsweise wenige Boote einen Besuch ab. Die Lagune ist fast ĂŒberall ĂŒber 30 m tief und steigt dann zum auch landseitig vorhandenen Korallenriff steil an. Wir ankern in der Herald Bay, hier zeigt das Satellitenbild im landseitigen Riff mehrere grĂ¶ĂŸere Sandflecken zwischen tiefer liegenden Bommies. Als wir nĂ€her kommen, können wir sowohl die Korallen als auch den Sandgrund auf 8 m Tiefe gut erkennen. Nach dem Manöver schnorcheln wir den Raum noch einmal ab, in dem Flora herumschwingen kann. Ganz viel Platz haben wir nicht, aber es geht und etwas besseres werden wir hier nicht finden.

Schön ist dafĂŒr, dass wir von der Bucht aus auf einem Feldweg einen herrlichen Spaziergang ins Dorf machen können. Mal mit Aussicht auf die Lagune, mal mit Papagei im Dickicht, mal sogar mit einem kleinen Bachlauf. Frei laufende Schweine mit ihren Ferkeln nutzen ihn zur AbkĂŒhlung 



 aber im Matsch des Bachufers entdecke ich noch eine gut getarnte echte Besonderheit: Schlammspringer (engl.: Mudskippers)! Die habe ich ĂŒberhaupt erst einmal gesehen, das war vor ĂŒber 10 Jahren in Hagenbecks Tierpark in Hamburg. Jetzt sitzen diese 10 bis 15 cm kleinen Wunder der Natur hier im Morast und auf Ästen am Ufer herum. Es sind amphibisch lebende Fische, die den Großteil ihres Lebens außerhalb des Wassers verbringen. Mit ihren Brustflossen können sie sich an Land hĂŒpfend fortbewegen.

Noch ein paar Impressionen aus dem Dorf Sawaieke:

Wir besuchen auch noch die Schule des Ortes, hier werden Kinder bis zur 8. Klasse unterrichtet. Und auch wir lernen etwas: der Lehrer klĂ€rt uns lachend darĂŒber auf, dass die Steine am Hang unterhalb des SchulgebĂ€udes keineswegs fĂŒr das von uns hinterfragte Notsignal S.O.S. stehen. Finanziell knapp sei man, aber nicht in Not.

Vielmehr heißt es S.D.S, KĂŒrzel fĂŒr Sawieke District School. â˜ș

Vorbereitung fĂŒr Fiji‘s zweite HĂ€lfte

Wir sind wieder eine ganze Woche in der Nawi-Marina in Savusavu. Wie jetzt? Erst zwei Monate irgendwo ganz weit draußen am Anker und jetzt gleich eine ganze Woche Luxusleben in der Marina mit Duschen so lange man will, Strom aus der Steckdose, Pool, Bar und Restaurants? Ja. Und mit Einkaufen. FĂŒnf (sic!) Shopping-Runs mit dem Dinghy hinĂŒber in die Stadt, jeweils schwer bepackt mit zwei großen vollen RucksĂ€cken und mit zusĂ€tzlichen Taschen zurĂŒck. Milch, Kaffee, Dosen, HĂŒlsenfrĂŒchte, Reis, Nudeln, GetrĂ€nke, auch Schokolade, Nutella etc, alles muss wieder aufgefĂŒllt werden. Der letzte Run gilt den Frische-EinkĂ€ufen. KĂ€se, Sahne, Fleisch, GemĂŒse und Obst. Obst und GemĂŒse (vom Markt) werden ausgiebig gewaschen und dann in Netzen aufgehĂ€ngt oder (soweit noch Platz ist) in den beiden KĂŒhlschrĂ€nken (eher: von oben befĂŒllbaren KĂŒhlfĂ€chern) verstaut. Die Kawa-WurzelbĂŒndel hĂ€ngen wir an einer Stange auf, diese obligatorischen Sevusevu-Geschenke mĂŒssen trocken gelagert werden.

Nur ein kleiner Teil 


Da auch das zweite (eigentlich tiefkĂŒhlfĂ€hige) KĂŒhlfach nur als reiner KĂŒhlschrank genutzt wird, mĂŒssen die Fleisch-EinkĂ€ufe (HĂ€hnchen, Hack und Rind) anderweitig konserviert werden. 12 GlĂ€ser kochen wir ein.

Außerdem lassen wir unsere fast leere Gasflasche neu befĂŒllen. DafĂŒr ist neben der obligatorischen Dinghyfahrt in die Stadt ein Ausflug mit dem Taxi zum Stadtrand nötig.

Oh, und den defekten Fernseher im Salon ersetzen wir tatsÀchlich auch noch.

Eigentlich wollten wir auch unsere von Marshall-Sails reparierte alte Fock hier in der Marina wieder in Empfang nehmen. Der Versand von YachtHelp Vuda hierher zu YachtHelp Savusavu hat allerdings trotz Zusage und zwischenzeitlicher Erinnerung durch uns nicht geklappt. Innerhalb der Woche hier in der Marina könnte sie vielleicht noch geliefert werden. Aber „vielleicht“ in Verbindung mit einer Terminierung in der sprichwörtlich geruhsamen „Fiji-Time“ wĂŒrde uns womöglich deutlich lĂ€nger hier in Savusavu halten. Wir werden die Fock also lieber selbst in Vuda abholen, da möchten wir im Laufe der nĂ€chsten Monate ohnehin vorbei schauen.

Flora wird ordentlich gewaschen, aufgerÀumt und geputzt. Als wir komplett vorbereitet sind, findet sich auch noch ein unerwarteter, aber durchaus willkommener Gast ein.

Ein kleiner Jungfern-Gecko hat sich als blinder Passagier an Bord geschlichen. Fein, da er sich hauptsĂ€chlich von Insekten ernĂ€hrt, kann er uns gerne die bisher zum GlĂŒck allerdings nicht allzu zahlreichen MĂŒcken und Fliegen vom Hals halten.

Und jetzt geht’s los zur Erkundung der zweiten HĂ€lfte, in den SĂŒden und Westen von Fiji.

Von der Viani Bay nach Taveuni, Satellitennavigation und Datumslinie

Ein weiterer Ausflug steht auf dem Programm. Das hat verschiedene GrĂŒnde. Ein ganz profaner: unser Bargeldbestand an Fiji$ neigt sich dem Ende zu. Vor zwei Monaten konnten wir zuletzt an einem Geldautomaten Bargeld ziehen, das war in Savusavu. In der Lau-Gruppe war sowieso nur Bargeld gefragt, aber auch Restaurant, Ausflug und Tauchbasis hier in der Viani Bay bezahlt man besser in bar. Die GebĂŒhren fĂŒr den hier immerhin möglichen Einsatz der Kreditkarte liegen bei 3,5 bis 4 Prozent. Das ist ziemlich happig, in Fiji aber absolut ĂŒblich. Da wirkt die 1%-GebĂŒhr am Geldautomaten dann schon wieder gĂŒnstig. Außerdem locken auf Taveuni auch noch SehenswĂŒrdigkeiten der Insel, die wir bei unserer Stipvisite bei Paradise im SĂŒden der Insel nicht besucht haben.

Die Fahrt mit dem offenen Boot von Viani Bay fĂŒhrt etwa 6 Seemeilen ĂŒber die Somosomo Strait nicht direkt zum Hauptort von Taveuni, sondern zum ein paar Kilometer sĂŒdlich gelegenen FĂ€hranleger Waiyevo. Obwohl das Wasser auf der Hinfahrt noch relativ glatt ist, wird es an Bord schnell feucht. Ralph und ich kauern uns auf dem Boden sitzend in den Schutz des hochgezogenen Bugs, Wiebke und Barbara schĂŒtzen sich mit ihren Regenjacken und spĂ€ter mit einer zusĂ€tzlichen Plane.

Auf der nochmal deutlich „spritzigeren“ RĂŒckfahrt wird die Plane zur Abdeckung von Roberts EinkĂ€ufen fĂŒr sein Tauchresort benötigt, da werden die beiden dann komplett durchnĂ€sst. Als unser GefĂ€hrt nach der Hinfahrt friedlich und idyllisch neben dem FĂ€hranleger ankert, wissen wir das natĂŒrlich noch nicht.

Robert hat uns ein Taxi fĂŒr das Sightseeing organisiert und Fahrer Marc bringt uns zunĂ€chst zur Wairiki Catholic Church, einem Wahrzeichen von Taveuni. Eine weinende Maria, ein Splitter vom Kreuz Christi als Reliquie in einem Kreuz, ein kindlicher Jesus mit einer Weltkugel, auf der neben viel Wasser statt Kontinenten nur einige kleine Inseln zu sehen sind, die Kirche weist einige Besonderheiten auf. Nur eines der Seitenschiffe ist mit BĂ€nken versehen, ansonsten zeichnet nur ein roter LĂ€ufer den Weg zum Altar ĂŒber den blau wie das Meer glĂ€nzenden nackten Fußboden des Gotteshauses.

An die Kirche angeschlossen ist eine der insgesamt fĂŒnf weiterfĂŒhrenden Schulen der Insel. MĂ€dchen und Jungen leben im Internat in den RĂ€umen der ehemaligen Mission.

Die nĂ€chste Station unserer Taxitour fĂŒhrt uns zu einer Linie, die uns die Navigation zuletzt ein bisschen erschwert hat.

Wegen der zum Teil uralten Vermessung sind die Angaben in den Seekarten von Fiji ziemlich unzuverlĂ€ssig. Wir nutzen deshalb gerne die Möglichkeit der Navigation mit Satellitenbildern. Ein Beispiel: das ĂŒber die Seekarte gelegte georeferenzierte Satellitenbild zeigt, dass sich das Riff tatsĂ€chlich einen Kilometer neben der Position in der Seekarte befindet:

Aber auch die Navigation mit Satellitenbildern hat ihre TĂŒcken, etwa wenn Wolken oder Reflektionen auf dem Satellitenfoto die Sicht teilweise verdecken. Oder wenn der „Blattschnitt“ der zusammengesetzten Einzelfotos fĂŒr Irritationen sorgt. Oft lĂ€sst sich das aber vermeiden, indem wir einfach auf Satellitenfotos eines anderen Anbieters wechseln, etwa von GoogleEarth zu den Apple’s Bing oder zu den NASA-Karten auf Noforeignland. Hier auf Taveuni aber weisen alle eine mehr oder weniger breite Schnittkante auf:

Der Grund dafĂŒr (und fĂŒr die Schwierigkeiten vieler Routenplanungsprogramme an diesem Ort) ist einfach. Von Nord nach SĂŒd verlĂ€uft quer ĂŒber Taveuni der 180ste LĂ€ngengrad, die grundsĂ€tzliche Datumslinie. Hier könnte man eigentlich mit einem Schritt ĂŒber diese Linie vom Heute ins Gestern (oder von der anderen Seite ins Morgen) springen. Taxifahrer Marc zeigt uns denn auf der Fahrt dorthin auch das „erste Kino der Erde“, das allerdings schon seit Jahren geschlossene „180th Meridian Cinema“.

Praktisch funktioniert das Hin- und Herspringen im Datum auf Taveuni allerdings ohnehin nicht, denn in ganz Fiji gilt als Normalzeit die Zeitzone UTC +12, wir sind also der Greenwich-Zeit des 0-Meridians um 12 Stunden voraus. WÀre ja auch unpraktisch, wenn östlich der Linie zum Beispiel noch Sonntagabend, westlich aber schon Montagabend wÀre. Trotzdem gibt es auf dem 180sten LÀngengrad ein kleines Denkmal mit Schautafeln.

Ein paar hundert Meter weiter hĂ€lt das Taxi erneut, diesmal wegen einer natĂŒrlichen Attraktion. Die BĂ€ume am „Garden Island Resort“ hĂ€ngen voller Flughunde. Wir dĂŒrfen aufs GelĂ€nde und die großen Fledertiere ganz aus der NĂ€he betrachten.

Sie lassen sich von uns ĂŒberhaupt nicht stören, hĂ€ngen einfach ab, kitzeln ihre Nachbarn, bohren in der Nase oder machen ein Nickerchen.

Und auch unsere nĂ€chste Station hat es tierisch in sich. Es geht zu Waitavala Natural Waterslide. Ein Bachlauf schießt hier zwischen rundgeschliffenen Felsen den Berg hinunter. Insbesondere nach stĂ€rkerem Regen kann man diese natĂŒrliche Rinne auf eigene Gefahr als Wasserrutsche benutzen, angesichts der AbsĂ€tze mit ihren WasserfĂ€llen in einigen Bereichen sicher kein ganz ungefĂ€hrlicher Spaß.

Wir beschrÀnken uns denn auch lieber auf eine Wanderung durch den Wald an der Rinne entlang.

Und wir bekommen noch eine Belohnung, im GeĂ€st ĂŒber uns zeigt sich eine nur auf Fiji und dort nur auf Vanua Levu und eben Taveuni vorkommende Papageienart, die etwa 40 cm großen Pompadursittiche.

Im diffusen Gegenlicht des BlĂ€tterdaches kommt ihr buntes Federkleid mit der rotbraunen Brust und den grĂŒnblauen FlĂŒgeln nicht voll zur Geltung (im Englischen heißen sie Red Shining Parrot), beeindruckend ist es aber auch so schon.

Als wĂ€re das nicht genug, belohnen wir uns nach dem „Geld tanken“ im Hauptort Somosomo noch ein weiteres Mal. Ein deutscher Auswanderer betreibt mit seiner italienischen Frau eine Bio-Landwirtschaft auf Taveuni. Aus den selbst angebauten FrĂŒchten produzieren die beiden unter anderem auch eigenes Speiseeis bzw. Sorbet, fĂŒr das sie in Somosomo einen kleinen Verkaufsstand unterhalten. Das lassen wir uns natĂŒrlich nicht entgehen.

Lecker!

Rainbow Reef, Nationalfeiertag, und Sonntagsausflug zu den Mantas von Rabi Island

Flora ankert immer noch in der Viani Bay hinter dem Rainbow Reef. Ein paar windarme Tage sind vorhergesagt, das passt perfekt. Gemeinsam mit der Crew der Lille Venn machen wir weitere TauchgĂ€nge am Rainbow Reef und wir gehen außerdem auch gemeinsam auf dem Riff Schnorcheln. DafĂŒr mĂŒssen wir zwar fast drei Meilen mit dem Dinghy durch die Bucht fahren, aber bei diesen perfekten Bedingungen lohnt sich das unbedingt. Die bunten Regenbogenfarben des Riffs zeigen sich schon in den Steinkorallen 



 erst recht aber in den vielen verschiedenen Weichkorallen, fĂŒr die dieses Riff so bekannt ist:

An manchen Stellen sieht das Korallenriff aus wie das plĂŒschige Fell eines TeddybĂ€ren 
,


 dann wieder scheint sich eine blumengeschmĂŒckte FelsbrĂŒcke durch das Blau des Meeres zu spannen:

Egal ob Tauchen oder Schnorcheln, wir sind schlicht begeistert.

Am Samstag werden wir schon wieder mit dem Dinghy der Lille Venn abgeholt, diesmal allerdings zu einem ganz anderen Anlass. Ralph‘s Kleidung lĂ€sst es wohl schon erahnen,

der Schweizer Nationalfeiertag am 01. August soll begangen werden. Feiern wollen wir bei bei der hiesigen Tauchschule „Dolphin Bay Divers“, denn deren Eigner Roland ist ebenfalls Schweizer. Er hat die Lille Venn und auch uns Nichtschweizer zum Grillen auf seine Terrasse eingeladen, herrlich mit Blick ĂŒber die Bucht.

Den Sonntagsausflug machen wir dann mit der anderen Tauchschule der Viani Bay, der „Dive Academy“. Die bietet nĂ€mlich eine Tour hoch zur Insel Rabi an. Etwa 17 Seemeilen (ĂŒber 30 km) einfache Strecke, mit dem offenen Tauchschulen-Langboot kann das ein ziemlicher Ritt sein. Zum GlĂŒck ist das Wasser zumindest auf der Hinfahrt spiegelglatt, mit 22 Knoten (40 km/h) brettern wir Richtung Rabi.

Rabi Island ist ein Kuriosum in Fiji, denn die Einwohner dieser Insel stammen aus dem Gebiet des heutigen Kiribati und wurden hierher umgesiedelt. Die Geschichte dahinter ist dramatisch. Auf dem etwa 6 Quadratkilometer kleinen gehobenen Atoll Banaba wird im Jahr 1900 ein riesiges Phosphatvorkommen entdeckt, denn ein großer Teil der Insel besteht aus versteinertem Guano (Vogelkot). Die EnglĂ€nder besetzen das fast auf dem Äquator liegende Eiland, gliedern es in die Gilbert-Inseln (heute Teil Kiribatis) ein und schon im nĂ€chsten Jahr beginnt eine australische Firma (damals ebenfalls britisch) mit dem Phosphatabbau zur DĂŒngemittelproduktion. Die Insel wird quasi ausgeschlachtet. Im zweiten Weltkrieg wird Banaba von Japan besetzt, viele Bewohner werden als Zwangsarbeiter deportiert, fast alle ĂŒbrigen schlicht ermordet, bevor die Alliierten die Insel zurĂŒckerobern. Nach dem zweiten Weltkrieg verweigern die Briten den von den Japanern verschleppten Zwangsarbeitern die RĂŒckkehr nach Banaba und siedeln sie stattdessen auf die etwa 2.000 km sĂŒdöstlich liegende Insel Rabi um, die zum damals ebenfalls britischen Fiji gehört.

Der Grund fĂŒr unsere Fahrt nach Rabi Island hat mit dieser höllisch anmutenden Geschichte zum GlĂŒck nichts zu tun. Ein klein bisschen diabolisch ist er dennoch: Große Mantas, auch „Teufelsrochen“ genannt, versammeln sich an der SĂŒdspitze von Rabi Island. Eine Besonderheit: wĂ€hrend die meisten Mantas eine schwarze Oberseite und eine weiße Unterseite mit schwarzen, ganz individuellen Flecken haben, sind hier in grĂ¶ĂŸerer Zahl schwarze Mantas vertreten. Bei ihnen sind auch der Bauch sowie die Unterseiten der FlĂŒgel schwarz, die individuellen Flecken dann umgekehrt weiß.

Teufelsrochen heißen diese eleganten Tiere ĂŒbrigens, weil ihre flossenartigen Loben vorne am Kopf ein wenig an Hörner erinnern. TatsĂ€chlich aber sind sie keineswegs fest, sondern ausgesprochen flexibel. Oft rollen die Mantas sie wie zu einem Trichter ein, um mehr Plankton zum Mund zu fĂŒhren. Die Loben scheinen aber auch zur Kommunikation zwischen den Mantas eingesetzt zu werden. Wir haben großes GlĂŒck und können bei zwei ausgiebigen SchnorchelgĂ€ngen mit diversen Exemplaren schwimmen, wobei die grĂ¶ĂŸten etwa 5 Meter FlĂŒgelspannweite aufweisen.

Ein kleines Video davon:

In besserer QualitÀt findet Ihr mein Video hier: https://vimeo.com/1214936956

Obwohl die RĂŒckfahrt leider etwas ruppiger ausfĂ€llt sind wir von diesem Sonntagsausflug mit tierischer Begegnung mal wieder ziemlich geflasht.

Bula im Paradise. Zur SĂŒdspitze von Taveuni und zur Viani Bay am Rainbow Reef

Das fĂ€ngt schon mal gut an: bester Segelwind und fast direkt nach der Ausfahrt aus dem Atoll Vanua Balavu geht uns endlich wieder einmal ein kleiner Thunfisch an die Angel. In den Atollen fischen wir ja wegen der Ciguatera-Gefahr nicht und auf den Passagen war uns das AngelglĂŒck zuletzt nicht wirklich hold. Der Bonito beschert uns fĂŒr die nĂ€chsten Tage schöne Filets. Poke-Bowls, Fisch-Tacos und orientalisch scharf angemacht mit Couscous-Salat zaubert Wiebke daraus.

Möglich wird das auch dadurch, dass wir in der an das Paradise-Resort an der SĂŒdspitze von Taveuni angeschlossenen kleinen BĂ€ckerei Tomaten und sogar Paprika kaufen können. Und ja, ein Abendessen im Restaurant des Resorts ist bei unserem kurzen Aufenthalt dort sogar auch noch drin. Das Paradise ist extrem Segler-freundlich: wir dĂŒrfen unseren MĂŒll dort entsorgen, könnten mit Kanistern am Dinghysteg Frischwasser nehmen und sind sogar eingeladen, den Pool zu benutzen. Im Gegenzug wird nur ein Besuch an der Bar oder im Restaurant erhofft. Die etwa zehn eigens fĂŒr die Segelboote ausgelegten Moorings sind bei unserer Ankunft zwar alle schon belegt, aber mit das Boot der Tauchschule des Ressorts kommt zu uns heraus, begrĂŒĂŸt uns mit einem freundlichen „Bula“ und zeigt uns, wo wir am besten ankern können. Der Ankergrund ist allerdings schwierig: die Kette verknotet sich gleich in den Felsen. Also erst einmal Flossen an und Maske auf, den Anker auf 9 m Tiefe befreien und neu ankern (ich werde ihn allerdings am nĂ€chsten Morgen erneut freischnorcheln mĂŒssen). Dann aber gibts das verdiente Ankommensbierchen an der Bar bzw. auf der Schaukel im Restaurantgarten und ein nettes Abendessen mit anderen Seglern im Restaurant.

Am nÀchsten Morgen sieht das Wetter freundlicher aus, beim Gang zum BÀcker durch das liebevoll dekorierte Paradise machen machen wir nochmal Halt an der Schaukel.

Auf dem Weg zurĂŒck zum Boot gibt’s mit einem fröhlichen „Bula“ die nĂ€chste gastfreundliche Überraschung: fĂŒr alle Bojen- und Ankerlieger hat das Resort eine TĂŒte mit frischen Zimtschnecken vorbereitet. Die sollen jetzt gerade ausgeliefert werden, aber da wir gerade an Land sind, bekommen wir die Flora-TĂŒte gleich in die Hand gedrĂŒckt:

Trotzdem geht’s fĂŒr uns nach nur einer Übernachtung weiter, denn auf wir wollen mit Barbara und Ralph von der Lille Venn Ralphs Geburtstag feiern. Die Lille Venn kommt von Norden die Somosomo Strait herunter, wir ĂŒberqueren sie von SĂŒden her. Wir treffen uns in der Viani Bay, die durch das ihr vorgelagerte Rainbow-Riff gut geschĂŒtzt ist.

Wunderbar: hier ankert gerade auch die Kavenga unserer amerikanischen Freunde Heather und Jim, die wir in British Columbia kennengelernt und seitdem unterwegs mehrfach wieder getroffen haben.

Ingo ist mit der Easy-One ebenfalls da, wir haben einen gemeinsamen Sundowner auf der Flora.

Und mit der Ville Venn Crew feiern wir nicht nur Ralphs Geburtstag, sondern verbringen auch sonst wieder eine richtig gute Zeit miteinander.

Das Rainbow-Reef bietet aber nicht nur dem Ankerplatz Schutz, es ist zudem einer der besten TauchplĂ€tze in Fiji. Insbesondere ist dieses Riff bei Tauchern weltweit bekannt und trĂ€gt den Beinamen „Hauptstadt der Weichkorallen“. Die ĂŒber 2.000 Meter tiefe Koro-See quetscht sich hier zwischen Fiji‘s zweitgrĂ¶ĂŸter Insel Vanua Levu und der drittgrĂ¶ĂŸten Taveuni hindurch, wobei der Meeresgrund an der beidseitig von Riffen begrenzten Engstelle auf nur etwa 100 m Wassertiefe ansteigt. Dadurch werden NĂ€hrstoffe in die oberen Wasserschichten gespĂŒlt. Davon wiederum profitieren neben den Fischen auch die Blumentierchen, Hartkorallen aller Art, vor allem eben die hier so reichlich gedeihenden Weichkorallen.

Von meinen bisher vier TauchgĂ€ngen hier stehen zwei ganz besonders heraus. Zuerst der am „Little Cabbage Patch“ (ĂŒbersetzt: Kleines Kohlfeld). Hier sind Turbinaria-Steinkorallen dominant. Sie bilden in mehreren Schichten breite, um einander verdrehte Platten, die sich wie die BlĂ€tter eines riesigen Unterwasserkohls stapeln. Taucht man darĂŒber, ist es als ob man ĂŒber ein eine untergetauchtes Kohlfeld fliegt. Oder – blumiger – ĂŒber eine Landschaft wirbelnder RosenblĂŒten. Mit Fischen statt Bienen.

Lila-blaue Weichkorallen an einer Steilwand sind namensgebend fĂŒr den Tauchplatz „Purple Wall“. Daran schiebt uns die Strömung bei diesem Drift-Dive allerdings vergleichsweise schnell vorbei, weil die Wand vertikal stĂ€rker als horizontal ausgedehnt scheint. Faszinierend ist es trotzdem.

Und sonst: neben der Korallenvielfalt begeistert auch der Fischreichtum. Und – endlich – entdecken wir auch wieder Nudibranchs. Diese Nacktkiemer sind zumeist ziemlich kleine Unterwasserschnecken, deren extreme Farb- und teilweise auch Formgebung Fressfeinde abschrecken soll.

Qilaqila #2: FĂ€cherkorallen, Kayaktouren und Cathedral Cave

Qilaqila, Fiji’s Bay of Islands, bietet nicht nur traumhafte AnkerplĂ€tze, sondern schwelgt auch unter Wasser in Schönheit, farbenfroh und fischreich.

Neben diversen Hartkorallen sehen wir hier beim Schnorcheln seit lÀngerem erstmals wieder Gorgonien. Diese Blumentiere sind FÀcherkorallen. Sie bieten einen faszinierenden Anblick, vor allem wenn sie sich in der Strömung hin und her wiegen. Schnorcheln wie im Aquarium!

Gerade so eben ĂŒber der Wasserlinie sind wir beim Kayakfahren oder mit dem SUP im Insellabyrinth. Kaum ein Lufthauch krĂ€uselt das Wasser hier und auch die Wellen bleiben draußen. So macht das Spaß.

Halb unter, halb ĂŒber Wasser befinden sich in den porösen Kalkstein-Koralleninseln mehrere Höhlen. Wir besuchen gleich drei davon.

Am meisten beeindruckt uns die „Cathedral Cave“. Die liegt allerdings ganz im Nordwesten von Qilaqila, wir wechseln den Ankerplatz.

Zur Cathedral Cave kurven wir dann mit dem Dinghy durch das Wirrwarr der hohen Felsen und legen Florecita direkt vor das „SchlĂŒsselloch“, unser EintrittstĂŒrchen in diese gerĂ€umig hohe und mit ihren KalksteinsĂ€ulen und „Fenstern“ tatsĂ€chlich kathedralenartig wirkende Höhle.

Der neue Ankerplatz hier im Nordwesten des Vanua-Balavu-Atolls hat noch einen weiteren Vorteil: gleich um die Eckeliegt der NW-Pass von Vanua Balavu. Morgen frĂŒh im ersten BĂŒchsenlicht wollen wir zur Passage Richtung Taveuni aufbrechen. Wenn wir frĂŒh losfahren, haben wir vielleicht eine Chance darauf, noch bei Tageslicht anzukommen.